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Franca Lehfeldt: Was die Politikjournalistin mit ihrem Mann, Finanzminister Christian Lindner, vereinbart hat

Franca Lehfeldt: Was die Politikjournalistin mit ihrem Mann, Finanzminister Christian Lindner, vereinbart hat Franca Lehfeldt (Foto: WeltN24)

Franca Lehfeldt ist in diesem Jahr als TV-Moderatorin und Chefreporterin Politik zum Axel-Springer-Nachrichtensender „Welt“ gewechselt. Im „Zeit“-Interview sagt Lehfeldt, warum sie es richtig findet, auch nach ihrer Heirat mit Finanzminister Christian Lindner weiter als Politikjournalistin zu arbeiten und welches Agreement sie mit ihrem Mann geschlossen hat.

Berlin – Martin Machowecz, Redaktionsleiter der „Zeit im Osten“ und Leiter des Leipziger Korrespondentenbüros der „Zeit“, legt gleich zu Beginn seines Interviews mit Franca Lehfeldt (32) den Finger in die Wunde: „Frau Lehfeldt, wenn man Kollegen fragt, die Ihre Arbeit länger beobachten, hört man oft: Sie seien eine sehr gute Journalistin – wäre da nur diese eine Sache nicht …“


Lehfeldt sagt, dass sie es nicht ärgere, dass es in der öffentlichen Wahrnehmung häufiger um Ihre Ehe mit Bundesfinanzminister Christian Lindner als um Ihre Arbeit gehe. „Es ist part of the deal. Dass über meine Beziehung diskutiert werden würde, war mir bewusst.“ Sie führt näher aus: „Eine Beziehung mit einer prominenten Person rückt dich auch selbst in die Öffentlichkeit – das war mir klar, als wir uns kennenlernten.“

 

Lehfeld betont weiter, natürlich könne die Ehefrau des zweiten Vizekanzlers als politische Journalistin, genauer gesagt als Chefreporterin bei „Welt“, dem Fernsehsender von Axel Springer, arbeiten. „Alles andere wäre geradezu ein Berufsverbot für eine Frau. Im Jahr 2022 erscheint mir das abwegig.“

 

Die Voraussetzung für Lehfeldt ist, dass sie sich an Regeln hält: „Ich berichte nicht über die FDP und das Bundesfinanzministerium.“

 

Gleichwohl sei ein Finanzminister eine zentrale Figur. „Damit muss man sensibel umgehen. Dass Axel Springer mich auf dem Bildschirm lässt und wir hier in der Zeit diskutieren, ist für mich ein Fortschritt. Vor zehn Jahren hätte es gar keine Debatte gegeben, da hätte sich die Frau fügen müssen“, sagt Franca Lehfeldt im Zeit-Interview. Umso wichtiger ist es für sie heute, dass sie ihren Anspruch verteidigt, „über meine Leistung definiert zu werden und nicht als ‚Frau von‘. Schließlich hatte ich erst den Beruf und dann den Mann.“

 

Die Lösung für mögliche Interessenskonflikte ist für Lehfeldt Transparenz. Innerhalb der Redaktion von RTL hätte sie ihre Beziehung damals sofort angezeigt. Aber sie habe auch sofort einen Entschluss gefasst: Dass sie sich ihren Job eben nicht nehme lasse. Sie sei einen langen Weg gegangen - und der habe nichts mit Christian Lindner zu tun gehabt. „Es ist nicht so, dass irgendwer sagt: ‚Püppchen, du darfst vor die Kamera.‘ Ich habe mich hochgearbeitet, bin zwei Jahre lang fürs Frühprogramm um 3.30 Uhr aufgestanden, um mir die Sporen zu verdienen. Ich weiß nicht, wie viele Liter Kaffee ich mit Unionspolitikern getrunken habe, um mir ein Netzwerk aufzubauen. Und da soll ich sagen: Ich gebe das auf?“

 

Auch Transparenz gegenüber den Zuschauern ist Lehfeldt wichtig: Die Leute wüssten, mit wem sie zusammen sei und könnten das einordnen, beteuert die Journalistin im Gespräch mit Martin Machowecz von der Zeit. Dort gehe es in Wahrheit um die Frage von Nähe und Distanz zwischen Politik und Journalismus. Und diese Debatte müsse man breiter führen als anhand einer Ehe. „Wenn Sie Transparenz fordern: Muss man dann anzeigen, wenn ein Politikjournalist Parteimitglied ist?“, fragt Lehfeldt Machowecz zurück. „Tut das jeder? Wie ist es mit Journalisten, die ein Stipendium einer parteinahen Stiftung hatten? Was, wenn jemand auf dem Gartenfest eines Ministers war?“, bohrt die Journalistin weiter. „Aber es ist doch etwas anderes, ob man mit dem Finanzminister verheiratet ist oder zu Besuch auf dessen Gartenfest war“, antwortet ihr Gegenüber.

 

Lehfeldt sagt, ihr gehe es um etwas anderes. Natürlich existierten Verbindungen und Beziehungen zwischen Politikern und Journalisten. Und Journalisten hätten selbst politische Überzeugungen. „Allerdings habe nicht ich ein Parteibuch, sondern mein Mann. Und im Unterschied zu anderen Konstellationen weiß bei mir jeder um das Verhältnis zu Christian. Bei mir liegt alles offen. Ich mache nach bestem Wissen und Gewissen meinen Job.“

 

Sie und ihr Mann hätten auch eine Regel, ein striktes Agreement, wie sie mit Ihrem gegenseitigen Wissen umgehen. Lehfeldt nennt das „Unter 4“. Dies sei die strengste Geheimhaltungsstufe: „Das Gespräch hat niemals stattgefunden, es geht keinen was an. Sozusagen die Ehe-Kategorie.“

 

Im Interview mit der Wochenzeitung „Die Zeit“ spricht Franca Lehfeldt auch über ihren aktuellen Arbeitgeber. Sie habe den Axel-Springer-Verlag so kennen gelernt, „dass die Unabhängigkeit und Eigenständigkeit von Frauen bei uns so stark gesehen wird wie nahezu nirgendwo sonst.“ Der Springer-Konzern sei sehr von Friede Springer geprägt. Sie verkörperte für sie eine souveräne Form von Emanzipation. Lehfeldt stellt klar: „Ich wurde hier nie auf ‚Die Frau von‘ reduziert. Wenn insinuiert wird, Springer hätte mich wegen Christian Lindner eingestellt, frage ich mich: Bitte was? Ich habe Bachelor und Master. Ich habe im Studium Hotelzimmer geputzt. Ich habe die RTL-Journalistenschule absolviert. Ich muss lachen, wenn man meine Karriere mit meinem Mann erklären will.“

 

Zum Schluss des Gesprächs verrät Lehfeldt, dass sie mit ihrem Gatten eine feste Verabredung hat: „Für Christian ist Spitzenpolitik eine Aufgabe auf Zeit. Während dieser Zeit nehme ich bestimmte Rücksichten, danach er.“