Jobs
Newsroom

Wie Medienprofis sich nebenberuflich neue Optionen schaffen

Wie Medienprofis sich nebenberuflich neue Optionen schaffen Attila Albert

Finanzieller Zusatzverdienst, inhaltliche Abwechslung, geistige Anregung: Es gibt viele Gründe, warum sich Medienprofis für einen Nebenjob interessieren. Karrierecoach Attila Albert sagt, wie es funktioniert.

Berlin – Auch wenn die Medienbranche eine Tradition des selbstständigen Arbeitens hat, sei es als freier Mitarbeiter, Pauschalist oder Subunternehmer (Produktionsfirma, Agentur), ist das Ziel der allermeisten Medienprofis eine Festanstellung. Wer endlich einen Vertrag hat, gibt diese Arbeitsform kaum mehr wieder auf. Das deckt sich auch mit dem generellen Arbeitsmarkt. Gerade 8,5 Prozent der Berufstätigen in Deutschland arbeiten selbstständig, der Anteil ist zudem rückläufig. Gleichzeitig wünschen sich doch viele aus unterschiedlichen Gründen, zumindest nebenbei ein wenig selbstständig arbeiten zu können. Sie müssen allerdings oft erst einige „Angestellten-Gewohnheiten‟ ablegen, um erfolgreich zu sein.


Der mögliche Zusatzverdienst ist dabei nur ein Motiv für einen Nebenjob. Seit 2020 sind die Lebenshaltungskosten in Deutschland um ein Fünftel (20,5 Prozent) gestiegen, was viele nicht mit Gehaltserhöhungen ausgleichen konnten. Ein zusätzliches Einkommen hilft dabei, die Rechnungen zu bezahlen und sich Extras (z. B. Neuanschaffungen für die Wohnung, Urlaub) leisten zu können. Für andere sind die inhaltliche Abwechslung und geistige Anregung ausschlaggebend – oder die Chance, eine Geschäftsidee ohne größeres Risiko auszuprobieren, eventuell sogar als Vorbereitung einer vollen Selbstständigkeit.

 

Gesetzlich erlaubte Wochenarbeitszeit beachten
Selbstverständlich kann ein Nebenjob auch ein weiteres Angestelltenverhältnis in Teilzeit sein. Damit ist es nicht erforderlich, sich selbst eine Geschäftsidee zu überlegen und sie umzusetzen. Allerdings lassen sich die Arbeitszeiten bei solch einer Kombination oft nur schwer miteinander vereinbaren, insbesondere bei kurzfristig angesetzten Wechselschichten im Haupt- oder Nebenjob. Auch die gesetzliche Begrenzung der Wochenarbeitszeit auf durchschnittlich maximal 48 Stunden (zeitweise 60 Stunden) wird schnell zum Hindernis. Eine nebenberufliche Selbstständigkeit, flexibel und weitgehend von daheim, ist eher machbar.

 

Die meisten Medienprofis wählen ein Tätigkeitsfeld, das ihrer Haupttätigkeit ähnelt oder sich aus ihr ergibt. Beispiel: Als Redakteur nebenbei für andere Medien schreiben, Workshops zu Schreibstil oder Recherche anbieten, Unternehmen zu effektiver Medienarbeit beraten. Das führt schnell zu Konflikten mit dem Arbeitgeber, wenn der keine „Konkurrenz‟ und auch keine Abwesenheit an Werktagen erlauben will. Hier empfiehlt es sich, den eigenen Arbeitsvertrag auf eventuell schikanöse Regelungen prüfen zu lassen. Danach braucht es den Mut, mehr Freiräume einzufordern und einen Kompromiss auszuhandeln.

 

Erste Motivation lässt häufig bald nach
Nach dem ersten Entschluss, die nebenberufliche Selbstständigkeit anzugehen, sind die meisten Medienprofis noch motiviert. Bald aber wird es mühselig, und sie kommen mit eigentlich recht schnell erledigten Aufgaben nicht weiter (z. B. ihre Geschäftsidee einmal aufzuschreiben, Texte für eine Webseite und einen Flyer zu entwerfen, potenzielle Kunden anzusprechen). Immer wieder kommen berufliche und familiäre Verpflichtungen dazwischen, dann braucht ein Verwandter gerade Hilfe, dann steht der nächste Urlaub an... So verschiebt sich das Vorhaben von Monat zu Monat, bald von Jahr zu Jahr.

 

Um dem zu entgehen, braucht es eine „unternehmerische Idee‟, die Sie selbst begeistert; etwas, worauf Sie sich freuen und womit Sie sich auch in ihrer Freizeit gern beschäftigen. Dann schaffen Sie sich auch die Freiräume dafür, die bei allen Berufstätigen begrenzt sind, und vermeiden jede Ablenkung (z. B. lieber Netflix schauen oder durch LinkedIn scrollen). Zu einem gewissen Grad betrachten Sie Ihre nebenberufliche Selbstständigkeit am besten als eine Art Hobby, aber eines, das sich wirtschaftlich selbst tragen soll, besser noch: Ihnen Geld einbringen. Aber es soll Ihnen eben auch Freude machen und ein Weg sein, mit dem Sie sich kreativ ausdrücken und verwirklichen können. Daneben immer hilfreich: Ein kompetenter, motivierender Begleiter (z. B. Gründungscoach, Mentor).

 

Darauf fokussieren, was erledigt werden muss
Mit ein bis zwei Stunden wöchentlich, fest im Kalender reserviert, können Sie am Anfang schon viel erreichen und kommen schrittweise weiter. Ertappen Sie sich dabei, dass Sie ewig nicht vorankommen, liegt das meist nicht wirklich an Zeitmangel, sondern an mangelndem Fokus und an Unentschlossenheit („Ich denke noch darüber nach‟). Unternehmerisch aktiv sein heißt, die Führung in eigener Sache zu übernehmen, konkret: fortlaufend Entscheidungen zu treffen, anstehende Aufgaben zu planen und zu erledigen. Für Angestellte bisher ohne Führungsverantwortung wird solch ein Projekt fast nebenbei zu einer praktischen Übung, tatsächlich zu Führen, zuerst nämlich in eigener Sache.

 

Wer schon einmal freiberuflich gearbeitet hat, hat mit diesem Aspekt meist weniger Mühe. Er kennt die Prioritäten: Gute Kunden finden und beliefern, nicht nur reden und LinkedIn vollschreiben. Für langjährige Freiberufler (z. B. Pauschalisten bei Zeitungen) liegt die Herausforderung eher darin, gewohnte Vorstellungen und Routinen hinter sich zu lassen und wieder daran zu glauben, dass sie ihre Lage noch einmal ändern können, vor allem in Bezug auf ihre Honorare. Ein Nebenjob ist für sie oft der beste Weg, verschiedene Interessen (z. B. Journalismus und PR) miteinander zu kombinieren oder auszuprobieren, welches andere Geschäftsmodell langfristig die bessere Perspektive hätte.

 

Zur vergangenen Kolumne: Anerkennung vom Arbeitgeber

 

Zum Autor: Attila Albert (geb. 1972) begleitet Medienprofis bei beruflichen Veränderungen. Er hat mehr als 25 Jahre journalistisch gearbeitet, u.a. bei der Freien Presse, bei Axel Springer und Ringier. Begleitend studierte er BWL, Webentwicklung und absolvierte eine Coaching-Ausbildung in den USA.

www.media-dynamics.org 

Top Meldungen aus Jobs