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Lea Mitulla: Medienbranche verschwindet nicht


Es gibt viele Gründe, weshalb ich Journalistin werden will. Mir fallen eher weniger Gründe ein, die dagegen sprechen. Von Lea Mitulla.

Gelsenkirchen - Ich weiß, dass die Zukunft für den Journalismus im Moment nicht besonders prickelnd aussieht, vor allem in den Print-Medien. Aber ich bezweifle stark, dass wir an einen Punkt kommen werden, an dem keine Journalisten mehr gebraucht werden.

Die Branche wandelt sich, aber sie verschwindet nicht.

 


Lea Mitulla könnte auch Jura oder Medizin studieren. Die Noten dafür hätte sie. Aber sie hat sich für Journalismus entschieden. Sie studiert im ersten Semester am Institut für Journalismus und PR an der Westfälischen Hochschule Gelsenkirchen.

 

Die „Medienkrise“, in der wir uns momentan befinden, beruht vor allem auf einem fehlenden Finanzierungskonzept. Durch das Internet sind wir es gewohnt, Informationen schnell und kostenlos zu bekommen. Die Print-Medien haben den größten Schaden dieser Entwicklung davongetragen.

Aber auch der Onlinejournalismus muss finanziert werden. Wichtig ist es, dass Medienkonzerne ihre Finanzierungskonzepte durchsetzen und damit das Überleben des bezahlten Journalismus sichern. Irgendwann wird es den Menschen wieder wert sein, für Informationen Geld zu zahlen.

Es ist praktisch wie das Umerziehen von verwöhnten Kindern: Es ist anstrengend und dauert, aber es ist nicht unmöglich.

Unsere Art, die Medien zu nutzen, wird sich meiner Meinung nach trotzdem nicht ändern. Ich sehe in den klassischen Print-Medien keine Zukunft, eher einen Wandel zum Onlinejournalismus.

Der Rundfunk wird für mich sowieso immer relevant bleiben, schon allein deshalb, weil wir Menschen unglaublich faul sind.

Fernsehen und Radio hören sind die bequemsten Formen, Informationen zu erhalten.

Ich finde die Formulierung „Medienkrise“ etwas übertrieben und lasse mich davon bestimmt nicht abhalten, Journalistin zu werden.

Als ich mir Gedanken darüber gemacht habe, was ich mit meinem Leben anfangen will, hatte ich eigentlich hauptsächlich Angst, in zehn Jahren in irgendeinem Büro zu hocken, mit einem Job, den ich hasse. Ich gebe gerne zu, dass ich extrem schnell gelangweilt bin. Das Szenario ist also ziemlich realistisch.

Gerade deswegen ist es mir egal, dass alle sagen, wie unsicher die Jobaussichten als Journalist sind. Ich habe heute noch keine Ahnung, wo ich in zehn Jahren landen werde und ich finde den Gedanken beruhigend. Als Journalist muss ich nicht jeden Tag das gleiche machen. Ich muss mich nicht auf ein Themengebiet festlegen, weil in der Welt unglaublich viel passiert und ich kann über all das Schreiben. Ich muss mich nicht auf ein Medium oder eine Stadt festlegen.

Ob ich letztendlich bei einer Zeitung lande oder doch beim Radio oder Fernsehen, kann ich ebenfalls noch nicht sagen.

Das kann alle paar Jahre wechseln, was für manche Menschen wahrscheinlich der absolute Horror wäre, aber für mich ist auch das ein sehr beruhigender Gedanke. Neben den Warnungen wegen der schlechten Jobaussichten, bekomme ich auch oft zu hören, wie schlecht die Bezahlung als Journalist ist.

Wenn es mir aber ums Geld ginge, würde ich jetzt Jura oder Medizin studieren, die Noten dazu hätte ich.

Dann würde ich mich aber zu Tode langweilen.

Ich finde, Journalisten sind genauso wichtig für unsere Gesellschaft wie Anwälte oder Ärzte. Ohne Journalisten hätten wir alle keine Ahnung, was in der Welt vor sich geht. Egal ob in der Politik, Wissenschaft oder im Leben diverser Prominenter. Die gäbe es ohne den Journalismus nämlich auch nicht, weil dann niemand über sie berichten würde.

Als Journalist kann ich die Menschen erreichen.

Ich habe vor kurzem ein Praktikum beim Radio gemacht. Zwar nur bei einem kleinen Lokalsender, aber es gab Leute, die mir zugehört haben und die mir auch geglaubt haben, was ich gesagt habe. Das gefällt mir an dem Beruf Journalist. Es klingt kitschig und überheblich, aber ich bin überzeugt davon, dass Journalisten in unserer Gesellschaft etwas bewegen können.

Genau das will ich tun und deswegen will ich Journalistin werden.

Lea Mitulla

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