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Ist die „Spiegel“-Redaktion ein lahmer Haufen? …

Ist die „Spiegel“-Redaktion ein lahmer Haufen? … Markus Wiegand

… fragt Markus Wiegand. Und der „kress pro“-Chefredakteur liefert die Antwort gleich mit: „Eindeutig: ja.“ Warum bloß?

Berlin – In seiner Kolumne „Aus unseren Kreisen“ im aktuellen „kress pro“ fragt Chefredakteur Markus Wiegand: Ist die ,Spiegel‘-Redaktion ein lahmer Haufen? Und er kommt zu einem eindeutigen Befund: ja. Und begründet es so:

 

Jedenfalls sind die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des „Sturmgeschützes der Demokratie“ nicht sonderlich erpicht darauf, ihre eigenen Mitbestimmungsrechte aktiv wahrzunehmen, obwohl Chefredakteur Steffen Klusmann 2023 unter großem Aufsehen entlassen wurde, nachdem er einen Machtkampf gegen Geschäftsführer Stefan Ottlitz verloren hatte.

 

Die Mehrheit des „Spiegel“ gehört bekanntlich der Mitarbeiter-KG (50,5 Prozent), deren Interessen von einer fünfköpfigen Geschäftsführung vertreten werden. In den vergangenen drei Jahren waren die führenden Köpfe der KG Markus Brauck (Redaktion) und Carsten Türke (Verlag). Beide hatten sich gegen Klusmann gestellt. Vor allem in der Redaktion sorgte diese Entscheidung für großen Unmut: Innerhalb von wenig mehr als einem Tag unterschrieben 274 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einen Brandbrief.

 

Im Herbst vergangenen Jahres formierte sich außerdem ein neuer Redaktionsbeirat – als Reaktion auf den Rauswurf und um auch den Redakteuren, die (noch) nicht Teil der KG sind, mehr Einfluss zu sichern. Offiziell anerkannt ist das Gremium bisher allerdings nicht. Zudem steht im Februar die Wahl einer neuen KG-Führung an. Viele hatten gehofft, dass neue Köpfe für frischen Wind sorgen würden. Umso größer war die Ernüchterung, als sich genau fünf Kolleginnen und Kollegen für fünf Plätze bewarben. 2022 hatte es noch neun Kandidaten gegeben.

 

Das bedeutet: Alle sind gewählt, wie „Horizont“ Anfang Februar feststellte, auch „Klusmann-Killer“ Markus Brauck, dem viele in einer Kampfkandidatur nur geringe Chancen eingeräumt hatten. Wie konnte es dazu kommen? Quellen aus dem Haus berichten von einer Mischung aus Ermattung und Frustration in der Redaktion. Diese habe dazu geführt, dass sich niemand zu einer Kampfkandidatur durchringen konnte. Die sonst so bissigen Schreiber zeigen sich in eigener Sache überraschend zahnlos. Einige Interessierte fürchteten zudem, sich mit einer Kandidatur in einen Gegensatz zu Chefredaktion und Geschäftsführung zu bringen, berichten kritische Stimmen aus dem Haus. Wer in die KG gewählt wird, habe nichts zu befürchten – wer jedoch nicht gewählt werde, könne abgestraft werden, lauten die Überlegungen. Was dafür spricht, dass das Klima in der Redaktion und das Verhältnis von Herrschenden zu großen Teilen der Untergebenen ziemlich im Eimer sein dürfte.

 

Wer das für übertrieben hält, sollte bei Melanie Amann nachfragen. Die stellvertretende Chefredakteurin muss sich derzeit auf die Rolle der Repräsentantin des Blattes beschränken und wird in wesentliche Entscheidungen nicht mehr eingebunden – obwohl  ihr mit dem Merkel-Interview der bestverkaufte Titel des vergangenen Jahres gelang.

 

Einige aus der Redaktion wollen nun bei den Wahlen im Februar ein Zeichen setzen und nur die unbelastete Redaktionskandidatin Friederike Freiburg wählen, die den Brandbrief gegen den Klusmann- Rauswurf unterzeichnete – nicht aber Markus Brauck. Wir sind gespannt auf das Ergebnis.

 

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